Yanik Wagner / 014 Wohnbaustudie Uferstrasse
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Wohnungsbaustudie Uferstrasse, Berlin

Yanik Wagner, Marco Hüsch
UdK-Berlin, 2018

In der Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Wohnraumproduktion ist eine bereitwillige Anerkennung stereotyper Wohnformen des Prinzips Wohnen-Küche-Bad skeptisch zu betrachten. Durch den immensen Druck auf den Wohnungsmarkt scheint die Reflektion von alternativen Lebensformen aktuell zu stagnieren. Die immersive Kraft einer Wohnung, die auch gelöst vom Kontext eine eigene Atmosphäre erzeugen kann, steht daher im Fokus des Projektes.

Um sich aus eigenen Gewohnheiten zu befreien fand eine intensive Lektüre von Wohnsituationen statt, dessen Wohnverhältnisse kulturell nicht weiter tradiert wurden und so heute, im Vergleich zu dessen ursprünglicher Intention, umgedeutet werden müssen. Die betrachteten Wohngebäude von Angelo Mangiarotti und Vilanova Artigas sind beide zu Zeiten entstanden, in denen es üblich war, dass das Dienstpersonal innerhalb der Wohnung einer jeweiligen Familie untergebracht war. In beiden Grundrissen sind so vor allem fernab der repräsentativen Zonen interessante Raumbeziehungen zu erkennen, die eine eigene Art der Koexistenz erkennen lassen.

Die Grundlage dieser atmosphärischen Fixpunkte wurde in ein Programm transferiert, das ein Modell für Zusammenleben selbstständiger Persönlichkeiten sein will, dass nicht allein finanziell-wirtschaftlichen Gründen motiviert ist. Der Trend zum Single-Haushalt kann aus unserer Sicht nicht ausschließlich durch eine Repetition von isolierten Zellen beantwortet werden. Unter Berücksichtigung der Autonomie des Einzelnen soll ein ungezwungenes Zusammenleben möglich sein, bei dem jeder Bewohner den Übergang zur gemeinsamen Wohnung gestalten kann. Die Balance von Individualraum und Kollektivraum ist einstellbar, indem der Schlafraum in Anlehnung an Deserto Rosso auf ein Minimum reduziert wird. Vor jeden Schlafraum wird eine informelle und unscharfe Zone mit verschiedenen Zugängen gesetzt, der den intendierten graduellen Übergang zur Gruppe möglich machen soll. Auf diese Weise können Verbindungen geschlossen werden, andere intensiver werden und in der Addition abwechslungsreich Netze entstehen. Singles, Paare oder Kleinfamilien können in Wohnungen in Wohnungen leben. Wirtschaftsräume werden hierbei als Schwellenräume gesehen, die auch besetzt werden können. Auch der Stauraum ist Raum, den wir bewohnen - die Dusche nicht nur ein Raum der Reinigung, sondern auch der Erholung.

Durch die Verschiebung absoluter Raumgrenzen und der Auflösung innenliegender Nutzkerne können des Weiteren tief liegende Bereiche als Wohnräume aktiviert werden und so die Gebäudetiefe erhöht werden. Auch wenn die Belichtung dieser Flächen schwächer ist, entsteht doch eine interessante und abwechslungsreiche Lichttopografie über den Querschnitt der Wohnung. So entsteht durch die räumliche Tiefe zwischen den Fassaden eine Großzügigkeit, die äquivalent separiert in Einzelwohnungen á 32m2 Wohnfläche pro Individualraum nicht spürbar wäre. Im Kern unserer Arbeit steht die kritische Hinterfragung utilitaristischer Konzepte, in denen sogenannte Zweckräume komprimiert werden und das Wohnen nur im Wohnzimmer statt zu finden scheint. Können wir Waschräume und Stauräume nicht aus dem Dunklen holen und ihre Neutralität als ein Dazwischen sehen? Gerade in der Zielsetzung dichter Planungen scheint dieses Zugeständnis eine Möglichkeit zu sein, Wohnqualitäten zu steigern und Atmosphären zu verdichten.